Die Geschichte vom Hasen

Als ich in der ersten Klasse war, schenkte mir mein Vater ein Meerschweinchen. Eigentlich war ich noch zu klein, um eine solche Verantwortung übernehmen zu können. In der Schule hatten wir aber bereits schon seit der ersten Klasse ein Haustier, wonach wir schauen mussten. Es war ein Kaninchen vom Bauer. Leider starb es an Fettleibikeit. Allem Anschein nach haben wir es zuviel gefüttert. Also besorgte die Schule ein anderes. Es war, wie das andere, wieder schwarz. Aber diesmal mit weissen Vorderpfoten. Mit dem ersten hatte ich eigentlich keine Beziehung. Es war ja auch nicht meins. Mit dem neuen hatte ich auch keinen Kontakt. Ich erinnere mich auch nur noch schwarz daran, dass die Lehrerin sagte, jemand könne dieses Tier mit nach Hause nehmen über Weihnachten. Aber irgendwie habe ich mich gemeldet. Die Lehrerin war sogar einverstanden. Ich sah auch überhaupt kein Problem, warum das nicht funktionieren sollte. Ich stellte meine Eltern einfach vor vollendete Tatsachen. Ich verklickerte meinen Eltern, dass niemand den Hasen nach Hause nehmen wollte, und ich die einzige wäre, die den Hasen betreuen könne. Am Ende habe ich ihnen sogar erzählt, dass die Lehrerin mir befohlen hätte, das Tier mit nach Hause zu nehmen. Hätte ich meine Eltern informiert, dass der Hase wirklich zu uns nach Hause kommt, hätten sie ihn sowieo mit dem Auto von der Schule abgeholt. Aber da ich einfach zu feige war, die Wahrheit zu sagen, dachte ich einfach, ich setze sie einfach vor die Tatsache, dass dieses Vieh nun die Weihnacht mit uns verbringt. Am 24. Dezember war es dann soweit. Meine Grossmutter belegte mein Zimmer, und ich zügelte in das Zimmer meines Bruders, was mich recht missmutig stimmte. Ich wurde degradiert. Damals verstand ich noch nicht so recht, dass ich eigentlich aus meinem Reich vertrieben wurde. In der Schule packten wir alle Sachen zusammen, wie Heu, Stroh und vor allem den Hasen.Meine besten Freunde wie Claudine, Jürg, und noch ein paar andere Freunde halfen mir, den Hasen nach Hause zu transportieren.

Unser Schulweg war recht lang. Normalerweise hatten wir einen schönen Weg einfach der Strasse entlang. Jeder kannte ihn.- Aber es gab natürlich auch andere Wege von der Schule nach Hause. Wir dachten, es wären Abkürzungen, - das waren sie natürlich nicht. Aber genau diese mussten wir nehmen. An diesem 24. Dezember, Stein und Bein war gefrohren, dachten wir auch, dass es vielleicht besser wäre, wenn wir einen ganz ungewöhnlicheren Weg nehmen würden. Überall  lag Schnee und Reif an den Bäumen druch den dicken Nebel, also entschieden wir uns für den Weg über den Gyren. Dieser Weg war hinter dem Dorf. Jener Ort war immer ein bisschen mystisch für mich, wahrscheinlich auch für meine Freunde, trotzdem liebte ich ihn. Fast kein Mensch wohnte damals dort. Ich glaube auch heute noch nicht. Ganz unten war dann der grosse Weiher. Ich schätze etwa 20 auf 60 Meter. Ich erinnere mich auch an Geschichten, die wir uns erzählt haben; von einem Mädchen war die Rede, das dort ertrunken wäre. Jedoch niemand wusste wer sie war, aber alle glaubten,dass sie ist bestimmt noch dort ist, man müsste nur finden. Als wir dann bei diesem Teich waren hätten wir einfach der Strasse folgen können. Aber das hätte bedeutet, dass wir nicht so ganz direkt per Luftlinie nach Hause kommen würden. Also entschieden wir uns den kleinen See zu überqueren. Mit dem ganzen Stroh, dem Heu, der Box mit dem Hasen und all meinen Freunden die mir beistanden. Ich muss erklären: die Box mit dem Hasen haben meine Freundin und ich zusammen tragen müssen, da es eine sehr grosse Box war. Die Überquerung des Weihers war richtig anstrengend. Das Eis war nicht etwa weiss, sondern pechschwarz. Und wenn meine Freunde darauf rumtollten, gab es tief brummende oder glucksende Geräusche von sich. Aber wir waren mutig, denn schliesslich hatten wir eine wichtie Mission zu erfüllen. Aber somit nicht genug. Das Schlimmste kam dann noch. Als wir den Weiher endlich überquert hatten, mussten wir das kleine Wäldchen besteigen. Dieses Stück ist etwa 10 Meter lang und geht etwa 5 Meter in die Höhe. Wenn es eisig ist, wie an jenem Tag, versinkt man nicht im Morast in dem normalerweise die Rinder im Sommer ihre Jugend verbrachte.
Aber es war verdammt schwierig, diesen Aufstieg mit all dem Bagage zwischen den Bäumen zu meistern. Nach dem Wäldchen kam dann der Aufstieg in der Kuhweide mit den Trampelwegen, die von den Rindern im Sommer quer getrammpelt wurden. Schon wieder wir mussten etwa wieder 70 Meter wieder an Höhe gewinnen, was einem Alpaufstieg im Wallis gleichkommt. So sehe ich das heute. Damals war das weniger als eine Turnstunde. Den einzigen Stress den ich im Kopf hatte, war die Reaktion meiner Eltern. Ich wusste, dass sie den Hasen nicht mehr wegschicken würden. Denn obwohl ich ab und zu mit einer toten Maus nach Hause kam, um ihr erste Hilfe zu leisten, liebten sie die Tiere so wie ich. Zudem hätten sie sich erbärmlich blamiert vor der Schule und den andern Eltern.  Trotzdem war mir recht mulmig zu Mute. Mein Instinkt hatte mich nicht getäuscht. Als ich mit dem Hasen vor der Türe stand, mit der Unterstützung meiner Freundin, und der Anwesenheit meiner Grossmutter, die ja mein Zimmer beschlagnahmte, konnte weder meine Mutter noch mein Vater irgend etwas dagegen unternehmen. Unsere Verwandte, Onkel, Tanten, Kollegen, und all die Leute, die ich hier nicht mehr aufzählen kann, hatten schlussendlich eine riesige Freude an diesem süssen aber manchmal stinkenden Hasen. Zum Schluss möchte ich nur noch der Schule danken, dass sie anstelle des Hasen kein Schwein adoptiert haben. Merry Christmas

Februar2005/evds