Editorial
"Was das neue Jahr wohl mit sich bringt?" - frage ich mich und wage einen allgemeinen Blick in die Zukunft, ohne Prognosen zu stellen. An gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen im grossen Stil ist kaum zu denken, denn der Mensch ist selbst ein Geschöpf, das sich an Gewohnheiten bindet, also alles erdenkliche unternimmt, Fehler nicht einzugestehen und an allem festhält, das im Grunde so gar nicht gerechtfertigt wäre.
Beispielhaft ist das Phänomen New Orleans: Diese Stadt hat kein Fundament, auf das man aufbauen könnte, das Risiko, dass diese Stadt erneut verwüstet werden wird, ist enorm. Trotzdem ist die Regierung, und natürlich auch die Bevölkerung überzeugt, dass der Wiederaufbau die einzig richtige Reaktion auf die Katastrophe sein muss.
Würde die Welt, wie sie heute funktioniert, gestürzt, müssten sich die Menschen total neu orientieren. Und das will offensichtlich niemand. Also wird an den Details herumgeschliffen, was dazu führt, dass die Sachlagen komplexer nicht sein könnten. Recht und Unrecht liegen nahe beieinander und sind je nach Gesetzesgrundlage und deren Auslegung zu unterscheiden. Zwar wird für Gerechtigkeit plädiert, doch gerecht ist heute fast nichts in der Welt. Heute wird offen über die atmosphärische Veränderung diskutiert und es kann festgestellt werden, dass die Gesellschaften ausser Stande sind zu reagieren. Zwar ist Energiesparen und Energieeffizienz heute gross geschrieben, doch die Bedürfnisse jedes Einzelnen zählen mehr. Eine radikale Lösung kann es nicht geben, ausser jemand wäre bereit, auf die Welt, wie sie heute existiert, zu verzichten.
Also ist davon auszugehen, dass alles beim alten bleibt, weil niemand bereit ist, grosse Veränderungen in Kauf zu nehmen. Doch auch kleine Veränderungen können Wunder bewirken, das ist nicht abzustreiten, und zu diesen ist man vielleicht etwas mehr bereit.
PS: Der Neue Heutige wird dieses Jahr ein Thema aufgreifen, das jedem irgendwann mal nahe kommt: Der Umgang mit dem Tod. Ich freue mich auf deinen Text und wünsche alles Gute im neuen Jahr.
Januar2006/fs
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