Jiddu Krishnamurti über Geist und Gehirn

"Unser Problem besteht darin, dass unser Gehirn in alten gewohnten Bahnen funktioniert - wie ein Tonbandgerät, das wieder und wieder die gleiche Melodie spielt. Der durch diese Wiederholung verursachte Lärm macht uns unfähig, etwas neues zu hören. Unser Gehirn wurde konditioniert, auf eine bestimmte Weise zu denken, gemäss unserer Kultur, Tradition und Erziehung zu reagieren. Dieses Gehirn versucht etwas neues aufzunehmen, und ist doch nicht fähig dazu. Darin wird unsere Schwierigkeit liegen. Ein Tonband kann man löschen und wieder neu bespielen. Doch unglücklicherweise haben die Tonbandaufzeichnungen in unserem Gehirn sich diesem so nachhaltig eingeprägt, dass es sehr schwirig ist, sie zu löschen und ganz von vorn zu beginnen. Also fragt man "Was soll ich tun?", "Wie kann ich diesen alten Mechanismus, dieses bespielte Tonband loswerden?". Das Neue kann nur gehört werden, wenn das alte Tonband mühelos vollkommen still wird, wenn man die Ernsthaftigkeit besitzt zu lauschen, zu forschen und aufmerksam zu sein".

Jiddu Krishnamurti, geboren in Indien, wurde in England privat unterrichtet und erzogen. Schon früh als religiöser Führer angesehen, verwarf er 1929 alle Bindungen an organisierte Religionen, Kulte und Ideologien. Er begann weltweit Reden zu halten, und trat in über 50 Büchern für die dogmenlose Untersuchung der Arbeitsweise des menschlichen Geistes ein. Krishnamurti starb 1986 im Alter von 90 Jahren.

November1995/jk