Der lärmende und schwindelerregende
Mechanismus des Lebens

Ja, auch ich kenne dieses äusserliche, oder besser mechanische Getriebe des Lebens, das uns in lärmender und schwindelerregender Weise zu einer ruhelosen Geschäftigkeit treibt. Heute liegen die Dinge so und so: dies und das ist zu tun: dorthin heisst es laufen, die Uhr in der Hand, damit man ja zurecht kommt. - Nein, mein Bester, danke vielmals: Ich kann nicht! Ach wirklich? Sie Glücklicher! Ich muss leider laufen ... - Um elf Uhr zum Mittagessen! - Die Redaktion, die Börse, das Büro, die Schule. Schönes Wetter heute. Schade! Aber die Geschäfte ... Rasch ein Gruss im Laufen für den, der da von uns gegangen ist. - Das Geschäft, die Fabrik, das Gericht ...

Keiner hat Zeit oder Gelegenheit, einen Augenblick stehen zu bleiben und darüber nachzudenken, ob das, was er die anderen tun sieht, und das, was er selber tut, wirklich das ist, ws ihm am ehesten entspricht, das, worin er eine gewisse Ruhe zu finden vermöchte. Die Ruhe, die uns nach all dem Lärm und Trubel geschenkt ist, wird von einer solchen Müdigkeit überschattet, von einer solchen Betäubung getrübt, dass es völlig unmöglich ist, sich auch nur für eine Minute zu sammeln, um nachzudenken. Mit einer Hand stützen wir unseren Kopf, mit der anderen machen wir eine Geste wie ein Betrunkener.

Gönnen wir uns doch eine Zerstreuung!
Ja. die Zerstreuungen, die sich uns anbieten, finden wir noch ermüdender und komplizierter als die Arbeit; und so bringt uns die Erholung nichts anderes als eine noch grössere Müdigkeit.

Ich sehe mir auf der Strasse die Frauen an, wie sie gekeidet sind, wie sie gehen, was für Hüte sie auf dem Kopf tragen; die Männer, was für Allüren sie haben oder auch nur vorgeben; ich höre ihren Gesprächen zu, ihren Ideen; und in manchen Augenblicken schein es mir so unmöglich an die Wirklichkeit all dessen zu glauben, was ich sehe und höre, dass ich - da ich andererseits nicht annehmen kann, alle würden sich nur zum Scherz so benehmen - mich fragen muss, ob dieser lärmende und schwindelerregende Mechanismus des Lebens, der von Tag zu Tag komplizierter und schneller wird, die Menschheit nicht schon in eine solche Tollheit hineingesteigert hat, dass sie bald in einem Rausch alles umwerfen und zerstören wird. Letzten Endes wäre das vielleicht gar kein Verlust. Nur deshalb, verstehen wir uns recht: damit man einmal einen Punkt setzen und von vorne anfangen kann.

(Pirandello)